Samstag, 26. Mai 2012
1. Auf der Suche nach: Vollzeitjob.
fleurbleue, 12:04h
Das Leben.
Kaum etwas gibt es, über das wir uns so viele Gedanken machen wie über unser Leben. Die Liebe vielleicht. Aber da sie untrennbar mit dem Leben verbunden ist, zählt das nicht wirklich.
Das Leben. La vie.
Es ist merkwürdig, wie schnell sich alles ändern kann.
Wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, dieses eine Ding, das wir Leben nennen, im wahrsten Sinne des Wortes auszuleben.
Ich war da kein Einzelfall. Meine Interpretationshypothese des Lebens war allerdings ziemlich kompliziert und gleichzeitig sehr einfach:
habe Spaß, sei du selbst (oder versuche es zumindest), mach dir das Leben nicht allzu kompliziert aber halte dich gefälligst an Regeln, liebe wie verrückt.
So ungefähr lauteten die Worte, die in meinem Kopf schwirren, in meiner Fantasie. DAS war der einfache Teil daran.
Schwieriger allerdings war es, diese Pläne in die Zukunft umzusetzen.
Dazu kam, dass ich in Liebesdingen nicht gerade einfach war, im Ich-selbst-sein oft kläglich versagte und in der Disziplin "mach dir das Leben nicht allzu kompliziert" brauchte ich gar nicht anzutreten.
Aber lasst mich vorne anfangen.
Der eindeutige Gedanke, dass mein Leben vielleicht eine Auseinandersetzung in aller Öffentlichkeit braucht, kam mir am Donnerstag. Meinem vorletzten Schultag überhaupt.
Wie jeden Donnerstag kam ich (glücklicherweise) erst zur dritten Stunde. Weil ich, welcher Meinung ich immer noch war, meine Kurse vor zwei Jahren ziemlich gut gewählt hatte, hatte ich also donnerstags die ersten beiden Stunden frei und konnte mich den gesamten Mittwochabend sinnvolleren Aktivitäten wie einem lang ausgedehnten Abend Grey's Anatomy widmen.
Ich trat also ans schwarze Brett, um nachzusehen, ob das Glück mir vielleicht mal wieder hold war und beschlossen hatte, den einen oder anderen Lehrer so kurz vor dem Ende noch einmal ans Bett zu fesseln. Leider hatte das Glück gerade Ferien, aber als ich mich abwenden wollte, quatschte mich plötzlich jemand von der Seite an.
"Hallo." Ich erkannte die Stimme; aus dem Augenwinkel hatte ich auch gesehen, wer dort stand.
Es war Florian.
Florian war der absolute, man konnte es nicht anders sagen, Jahrgangsstreber. Mit seinem Durchschnitt von ungefähr 0,8 (mit dem er sich immer noch Sorgen machte, ob er womöglich von einer Uni angenommen wurde? Mein Gott, der hatte echt Probleme...) lief er allen anderen weit voraus. Ich persönlich, selber nicht am Schlusslicht der Veranstaltung, konnte nichts als sein Hinterteil sehen. DAs, wie man vielleicht hinzufügen musste, um den Rest zu verstehn, nicht unbedingt ansehnlich war.
"Hi", erwiderte ich nebenbei, während ich die Liste am schwarzen Brett ein zweites Mal scannte - in der Hoffnung, dass sich die Daten auf dem Papier vielleicht innerhalb von zwei SEkunden wie auf magische Weise geändert hatten (was natürlich nicht der Fall war. Aber an Magie glauben durfte man doch noch, oder!?).
"Ich wollte dich fragen, ob du mit mir zum Abiball gehst", fuhr Florian fort.
Dazu musste man erwähnen, dass die Organisation sich auf ein Einlaufen à la Tanzstunde eingeschossen hatte. Paarweise, am besten mit einem Partner des anderen Geschlechts. Mehr Highschool-Prom ging also nicht. Ein halbstündiges Einlaufen, will ich noch hinzufügen.
Ich schluckte, wurde knallrot. Angestrengt starrte ich das Brett an, wie um eindeutig auszuschließen, dass mir seine Frage Kopfzerbrechen bereitete, sondern dass meine Aufmerksamkeit einzig den fehlenden Lehrern galt.
Zwei Pole in meinem Kopf stritten plötzlich heftig gegeneinander:
1. Du bist nicht der Typ, der von Jungs gefragt wird, ob sie mit dir zum Abiball gehen wollen. Sei verdammt nochmal froh, dass es überhaupt einer getan hat!
Hierin lag allerdings das Problem:
2. Ich hatte mir geschworen, nie im Leben mit diesem Typen zum Ball zu gehen. Eigentlich war ich kein oberflächlicher Mensch; ich hasste Leute, die nur auf Äußerlichkeiten bedacht waren - andererseits war Florian der geborene Streber. Er hatte einen ähnlichen Kleidungsstil wie ein Fünftklässler, trug seinen Schulranzen am höchsten Punkt des Rückens (was allein schon ausreichte, um ihn zu einem Idioten zu machen) und drückte sich allgemein eher gewählt aus. Er war nicht blöd. Natürlich nicht, bei einem Durchschnitt über 1,0. Aber er hatte die Intelligenz irgendwie an der falschen Stelle.
Er trat bei Bundeswettbewerben für Mathe an und schrieb jede Lateinarbeit ohne Fehler.
Das war auch der Kern, worauf ich sein plötzliches Angebot zurückführte. Ich war seine Nebensitzerin.
Das war mehr zufällig und eigennützig geschehen, als auf etwas anderem beruhend. Ich kannte Florian schon von den Jahren vor der Kursstufe. Er konnte durchaus lustig sein, auch wenn er irgendwie anderen Humor hatte als wir alle. Und er war ganz nett. UND er übersetzte mit mir und meiner anderen Nebensitzerin. Das war meistens ziemlich lustig zu dritt und noch dazu äußerst erfolgsgekrönt.
Allerdings machte ich mir spontan Sorgen, ob hinter seiner tendenziell harmlosen Frage vielleicht noch mehr stecken konnte.
"Ähm", fing ich an, denn es war mittlerweile genug Zeit verstrichen, um das Ganze noch peinlicher zu machen, als es ohnehin schon war. "Tja, warum nicht?"
Echt schlagfertige Antwort. Ich muss schon sagen, sehr gut. Mit einem imaginären Kopfschütteln über mich meinerseits düste ich schnell ab, um mich bei meinem Klassenzimmer in Sicherheit zu bringen.
Kaum etwas gibt es, über das wir uns so viele Gedanken machen wie über unser Leben. Die Liebe vielleicht. Aber da sie untrennbar mit dem Leben verbunden ist, zählt das nicht wirklich.
Das Leben. La vie.
Es ist merkwürdig, wie schnell sich alles ändern kann.
Wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, dieses eine Ding, das wir Leben nennen, im wahrsten Sinne des Wortes auszuleben.
Ich war da kein Einzelfall. Meine Interpretationshypothese des Lebens war allerdings ziemlich kompliziert und gleichzeitig sehr einfach:
habe Spaß, sei du selbst (oder versuche es zumindest), mach dir das Leben nicht allzu kompliziert aber halte dich gefälligst an Regeln, liebe wie verrückt.
So ungefähr lauteten die Worte, die in meinem Kopf schwirren, in meiner Fantasie. DAS war der einfache Teil daran.
Schwieriger allerdings war es, diese Pläne in die Zukunft umzusetzen.
Dazu kam, dass ich in Liebesdingen nicht gerade einfach war, im Ich-selbst-sein oft kläglich versagte und in der Disziplin "mach dir das Leben nicht allzu kompliziert" brauchte ich gar nicht anzutreten.
Aber lasst mich vorne anfangen.
Der eindeutige Gedanke, dass mein Leben vielleicht eine Auseinandersetzung in aller Öffentlichkeit braucht, kam mir am Donnerstag. Meinem vorletzten Schultag überhaupt.
Wie jeden Donnerstag kam ich (glücklicherweise) erst zur dritten Stunde. Weil ich, welcher Meinung ich immer noch war, meine Kurse vor zwei Jahren ziemlich gut gewählt hatte, hatte ich also donnerstags die ersten beiden Stunden frei und konnte mich den gesamten Mittwochabend sinnvolleren Aktivitäten wie einem lang ausgedehnten Abend Grey's Anatomy widmen.
Ich trat also ans schwarze Brett, um nachzusehen, ob das Glück mir vielleicht mal wieder hold war und beschlossen hatte, den einen oder anderen Lehrer so kurz vor dem Ende noch einmal ans Bett zu fesseln. Leider hatte das Glück gerade Ferien, aber als ich mich abwenden wollte, quatschte mich plötzlich jemand von der Seite an.
"Hallo." Ich erkannte die Stimme; aus dem Augenwinkel hatte ich auch gesehen, wer dort stand.
Es war Florian.
Florian war der absolute, man konnte es nicht anders sagen, Jahrgangsstreber. Mit seinem Durchschnitt von ungefähr 0,8 (mit dem er sich immer noch Sorgen machte, ob er womöglich von einer Uni angenommen wurde? Mein Gott, der hatte echt Probleme...) lief er allen anderen weit voraus. Ich persönlich, selber nicht am Schlusslicht der Veranstaltung, konnte nichts als sein Hinterteil sehen. DAs, wie man vielleicht hinzufügen musste, um den Rest zu verstehn, nicht unbedingt ansehnlich war.
"Hi", erwiderte ich nebenbei, während ich die Liste am schwarzen Brett ein zweites Mal scannte - in der Hoffnung, dass sich die Daten auf dem Papier vielleicht innerhalb von zwei SEkunden wie auf magische Weise geändert hatten (was natürlich nicht der Fall war. Aber an Magie glauben durfte man doch noch, oder!?).
"Ich wollte dich fragen, ob du mit mir zum Abiball gehst", fuhr Florian fort.
Dazu musste man erwähnen, dass die Organisation sich auf ein Einlaufen à la Tanzstunde eingeschossen hatte. Paarweise, am besten mit einem Partner des anderen Geschlechts. Mehr Highschool-Prom ging also nicht. Ein halbstündiges Einlaufen, will ich noch hinzufügen.
Ich schluckte, wurde knallrot. Angestrengt starrte ich das Brett an, wie um eindeutig auszuschließen, dass mir seine Frage Kopfzerbrechen bereitete, sondern dass meine Aufmerksamkeit einzig den fehlenden Lehrern galt.
Zwei Pole in meinem Kopf stritten plötzlich heftig gegeneinander:
1. Du bist nicht der Typ, der von Jungs gefragt wird, ob sie mit dir zum Abiball gehen wollen. Sei verdammt nochmal froh, dass es überhaupt einer getan hat!
Hierin lag allerdings das Problem:
2. Ich hatte mir geschworen, nie im Leben mit diesem Typen zum Ball zu gehen. Eigentlich war ich kein oberflächlicher Mensch; ich hasste Leute, die nur auf Äußerlichkeiten bedacht waren - andererseits war Florian der geborene Streber. Er hatte einen ähnlichen Kleidungsstil wie ein Fünftklässler, trug seinen Schulranzen am höchsten Punkt des Rückens (was allein schon ausreichte, um ihn zu einem Idioten zu machen) und drückte sich allgemein eher gewählt aus. Er war nicht blöd. Natürlich nicht, bei einem Durchschnitt über 1,0. Aber er hatte die Intelligenz irgendwie an der falschen Stelle.
Er trat bei Bundeswettbewerben für Mathe an und schrieb jede Lateinarbeit ohne Fehler.
Das war auch der Kern, worauf ich sein plötzliches Angebot zurückführte. Ich war seine Nebensitzerin.
Das war mehr zufällig und eigennützig geschehen, als auf etwas anderem beruhend. Ich kannte Florian schon von den Jahren vor der Kursstufe. Er konnte durchaus lustig sein, auch wenn er irgendwie anderen Humor hatte als wir alle. Und er war ganz nett. UND er übersetzte mit mir und meiner anderen Nebensitzerin. Das war meistens ziemlich lustig zu dritt und noch dazu äußerst erfolgsgekrönt.
Allerdings machte ich mir spontan Sorgen, ob hinter seiner tendenziell harmlosen Frage vielleicht noch mehr stecken konnte.
"Ähm", fing ich an, denn es war mittlerweile genug Zeit verstrichen, um das Ganze noch peinlicher zu machen, als es ohnehin schon war. "Tja, warum nicht?"
Echt schlagfertige Antwort. Ich muss schon sagen, sehr gut. Mit einem imaginären Kopfschütteln über mich meinerseits düste ich schnell ab, um mich bei meinem Klassenzimmer in Sicherheit zu bringen.
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